Lohnt sich ein Rebalancing und wenn ja wie sollte ich vorgehen?

Lohnt sich ein Rebalancing und wenn ja wie sollte ich vorgehen?

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Manche tuen es, manche tuen es nicht. Sogar ETFs tuen es in regelmäßigen Abständen. Das Rebalancing. In diesem Artikel möchte ich dir zeigen, warum ich es für sinnvoll halte, sein Portfolio zu rebalancieren, in welchen Abständen und welche Möglichkeiten du dazu hast.

Was bedeutet Rebalancing?

Nehmen wir an, du hast dich entschlossen, ein ETF Portfolio zu starten, in welches du regelmäßig Geld investieren möchtest. Zuallererst: Herzlichen Glückwunsch, gute Entscheidung. Du weißt auch, dass du ein 70/30 Portfolio für den MSCI World und den MSCI Emerging Markets haben möchtest, und, um dein Portfolio noch ein wenig aufzupeppen, nimmst du noch 10% Gold dazu. So weit, so klar. Also sieht deine SOLL-Verteilung folgendermaßen aus.

Nehmen wir an du hast in deinem ersten Jahr 10.000€ in dein Portfolio investiert, dabei haben sich die Indizes wie folgt entwickelt:

  • MSCI World: +10%
  • MSCI Emerging Markets: -10%
  • Gold: +15%

Dann vergleichen wir jetzt mal deinen geplanten SOLL-Wert mit deinem aktuellen IST-Wert:

Wie du siehst, haben sich die Werte zu deiner geplanten Zielallokation verändert, am deutlichsten ist der Unterschied am MSCI Emerging Markets: Hier beträgt das angenommene Minus 10% und dein Anteil am Gesamtportfolio beträgt nun 23,12%. Um wieder auf seinen Ausgangswert zu kommen, müsste der MSCI Emerging Markets etwa 11% zulegen, würde sich dieser weiter in einem Abwärtstrend befinden, würde der Unterschied noch deutlicher werden.

Warum also Rebalancing?

Wenn du verschiedene Assetklassen in deinem Portfolio benutzt oder ETFs, die sich voraussichtlich unterschiedlich entwickeln, verschiebt sich auf kurz oder lang deine IST-Allokation. Besonders, wenn deine Assets nicht stark miteinander korrelieren, kann, je nach Marktphase, der Unterschied deutlicher werden.

korrelation übersicht

In der untenstehenden Tabelle kannst du die Korrelation verschiedener Assetklassen untereinander vergleichen. Umso näher der Wert an 1, desto ähnlicher die Wertentwicklung. Nehmen wir also nochmal unser Musterportfolio zur Hand: Da der MSCI World nicht aufgeführt ist, mit etwa 65% die USA deutlich übergewichtet sind, nehmen wir dafür die „Aktien USA“. Diese zeigen mit dem MSCI Emerging Markets eine Korrelation von 0,62, zu Gold nur eine Korrelation von nur 0,01, also ist zu erwarten, dass auf lange Sicht sich dein Portfolio auseinander entwickeln wird.

Lass uns mal ein bisschen mit Zahlen jonglieren

Unten siehst du die Entwicklung des MSCI World Index aus dem Letzten Jahr, darunter die Entwicklung des MSCI Emerging Markets Index aus dem Jahr 2020. Gut zu erkennen ist der Abfall des Index rund um den ersten Lockdown ab Ende Februar.

xtrackers msci world 1c etf
xtrackers msci emerging markets 1c etf

Der Einfachheit halber schauen wir uns nun die Entwicklung der beiden Indizes mit und ohne Rebalancing an. Zu Grunde legen wir eine geplante Allokation von 70/30 und ein Rebalancing alle 3 Monate nach dem Cashflow Prinzip bei einem Sparbetrag von 500€, welcher jeweils zum 1. des Monats investiert wird.

Die Entwicklung ohne Rebalancing

  • MSCI World
ohne rebalancing
  • MSCI Emerging Makrets
mit rebalancing

Die Entwicklung mit Rebalancing

Im Gegensatz dazu schauen wir jetzt mal an, wie viele Anteile du jeweils besitzen würdest, wenn du mit Rebalancing gekauft hättest. Das fiktive Rebalancing findet jeweils nach 3 Monaten statt, immer zum 15. Des jeweiligen Monats.

  • MSCI World
mit rebalancing
  • Rebalancing:

Der Vergleich: Wie schneiden beide Portfolios am Ende ab?

Vergleichen wir den Endstand der Portfolios, sehen wir einen Unterschied, wie viele Anteile je Index gehalten werden.

  • Ohne Rebalancing:
    • MSCI World: 72,213
    • MSCI Emerging Markets: 41,789
  • Mit Rebalancing:
    • MSCI World: 75,521
    • MSCI Emerging Markets: 35,174

Zum Stichtag 31.12.2020 Betrug der Preis pro Anteil für den MSCI World 65,33€, für den MSCI Emerging Markets 50,43€. Berechnen wir also mal, wie viele beide Portfolios am Ende des Jahres wert wären:

  • Ohne Rebalancing:
    • MSCI World: 72,213 x 65,33€ = 4717,68€
    • MSCI Emerging Markets: 41,789 x 50,43€ = 2107,42€
    • Summe Portfolio:      6825,1 €
  • Mit Rebalancing:
    • MSCI World: 75,521 x 65,33€ = 4933,79€
    • MSCI Emerging Markets: 37,441 x 50,43€ = 1888,15€
    • Summe Portfolio:      6821,94€

Wie sie sehen, sehen sie nichts. In absoluten Zahlen gibt es bei beiden Portfolios nahezu keinen Unterschied.

Jetzt haben der MSCI World und der MSCI Emerging Markets eine recht hohe Korrelation, wie man in der obenstehenden Tabelle sehen konnte, hier ist diese mit 0,66 angegeben. Schauen wir also mal, was passiert, wenn wir zwei ETFs nehmen die eine geringere Korrelation zueinander aufweisen.

Geringere Korrelation – etwas anderer Effekt

Nehmen wir also unsere 70/30 Gewichtung erneut, jetzt nehmen wir aber 70 % MSCI World und 30% Gold , um den Effekt zu verdeutlichen. Beide zeigen mit 0,01 die geringste Korrelation.

xtrackers msci world 1c etf
euwax gold 2 etf

Jetzt wird auch klar, was damit gemeint ist, dass die beiden nicht sonderlich viel miteinander korreliere: Während der MSCI Word zwischen Februar und März deutlich an Wert verloren hat, konnte der Euwax Gold 2 in gleichem Zeitraum sogar an Wert gewinnen. Gold gilt, besonders in Krisensituationen als sicherer Wertspeicher, weshalb viele Investoren versuchen, mit Gold ihr Portfolio gegen den Wertverfall abzusichern.

Also gleiches Spiel wie zuvor, zuerst ohne Rebalancing

  • MSCI World
ohne rebalancing
  • Gold
ohne rebalancing

Entwicklung mit Rebalancing

Nun dasselbe Spiel wie zuvor, jeweils am 15. Findet das Rebalancing unseres fiktiven Sparbetrags statt.

  • MSCI World
mit rebalancing
  • Rebalancing:
  • Gold
  • Rebalancing:

Die Entwicklung im Vergleich

  • Ohne Rebalancing:
    • MSCI World: 72,213
    • Gold:              35,953
  • Mit Rebalancing:
    • MSCI World: 75,742
    • Gold:               31,709

Zum Stichtag 31.12.2020 Betrug der Preis pro Anteil für den MSCI World 65,33€, für den Euwax Gold II 50,25€. Berechnen wir also mal, wie viele beide Portfolios am Ende des Jahres wert wären:

  • Ohne Rebalancing:
    • MSCI World: 72,213 x 65,33€ = 4717,68€
    • Gold:              35,953 x 50,25€ = 1806,64€
    • Summe Portfolio:      6524,32€
  • Mit Rebalancing:
    • MSCI World: 75,742 x 65,33€ = 4948,22€
    • Gold:               31,709 x 50,25€ = 1593,38€
    • Summe Portfolio:      6541,6€

 

In Summe sehen wir also einen kleinen Unterschied, das Portfolio mit dem Rebalancing schneidet leicht besser ab. Trotzdem könnte man sich fragen: Was soll denn jetzt der ganze Aufwand bringen? Ich denke, dass das Rebalancing trotz allem Vorteile mit sich bringt.

Vorteile durch Rebalancing

Risikomanagment

Eine Asset-Allokation hat den Sinn, Schwankungen in deinem Portfolio auszugleichen. Insbesondere Assetklassen mit einer geringen Korrelation können dein Portfolio in volatilen Marktphasen stabilisieren.

Langfristig könnte doch eine Überrendite entstehen

Nehmen wir folgendes Szenario an: Aktie A performt in einem der ersten Periode besonders gut während Aktie B eher an Wert verliert. Damit steigt die Gewichtung von Aktie A und die von Aktie B fällt. Würdest du nun ein Rebalancing durchführen, würde der Sparbeitrag für Aktie A geringer sein, der für Aktie B höher. Du kaufst also mehr Anteile von Aktie B, die aktuell eher günstig sind, und weniger von Aktie A, die aktuell im Verhältnis teurer sind und bekommst so bessere Einstiegskurse und langfristig mehr Anteile.

Welche Möglichkeiten gibt es für ein Rebalancing?

Rebalancing durch Kauf und Verkauf

Wenn du deine aktuelle Asset-Allokation bestimmst und Differenzen bemerkst, kannst du die Anteile, die übergewichtet sind, verkaufen, um von dem Geld Anteile des Assets zu kaufen, welches aktuell untergewichtet ist. Der Nachteil hierbei ist, dass du zum einen Transaktionsgebühren für den Kauf und Verkauf hast, was deine Rendite schmälert. Zum anderen kaufst du bei dir Methode meist nur ein Mal im Jahr und kannst daher nicht auf volatile Phasen im Markt reagieren. Es kann dir also passieren, dass du gerade dein Rebalancing durchgeführt hast, während kurz darauf die Kurse wieder fallen.

Rebalancing durch Cashflow

Du kannst aber auch auf der anderen Seite deine Sparpläne in regelmäßigen Intervallen, zum Beispiel einmal im Quartal, anpassen. Hierbei hast du den Vorteil, dass du in der Regel geringere oder, wenn der Sparplan bei deinem Broker eventuell sogar kostenlos ist, gar keine Gebühren für das Rebalancing zahlst. Andererseits profitierst du langfristig vom Cost-Average-Effekt, dadurch dass du mehrere Käufe im Jahr zu unterschiedlichen Einstiegskursen tätigst und so auch bei fallenden Kursen weiter kaufst.

Wie gehe ich vor?

Ich persönlich führe ein Mal im Quartal ein Rebalancing durch. Dafür habe ich eine Excel Vorlage, in die ich nur die Anzahl der Anteile eintragen muss, sowie den aktuellen Kaufkurs und mir daraufhin die jeweilige Sparrate angezeigt wird. Danach brauche ich nur meine Sparpläne updaten und fertig; alles in allem kostet mich das etwa 15 Minuten und der Aufwand ist damit verschwindend gering.

Ich würde es davon abhängig machen, wie stark deine Assets jeweils miteinander korrelieren. Bei einer starken Korrelation ist es vielleicht nicht so sehr nötig, wenn deine Assets jedoch stark divergieren kann es mal schnell dazu führen, dass es zu einer Übergewichtung kommt.

Insgesamt fühle ich persönlich mich sicherer, meine Portfoliogewichtung regelmäßig anzupassen. Dadurch vermeide ich, dass ein Asset, was besonders gut performt hat, und danach deutlich an Wert verliert, nicht so sehr meine Gesamtrendite schmälert und so mehr Ruhe in mein Portfolio, insbesondere in turbulenten Phasen bringt. Während der Corona-Krise habe ich etwa alle 6 Wochen meine Sparpläne angepasst, um günstige Einstiegskurse zu nutzen.

Dabei würde ich sogar noch einen Schritt weiter gehen: Vorausgesetzt es ist die finanziell möglich, würde ich in Krisenzeiten sogar meine Sparplanrate erhöhen, um so die besten Einstiegskurse mitzunehmen. Den mutigen gehört die Welt!

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