3 Top-Performer 2020 aus dem Bereich Sektor-ETFs in der Analyse -Teil 2

3 Top-Performer 2020 aus dem Bereich Sektor-ETFs in der Analyse -Teil 2

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Weiter geht es also mit dem zweiten Teil der Serie. Nachdem wir uns im ersten Teil den iShares Global Energy UCITS ETF angesehen haben, kommt auf dem zweiten Platz der Top-Performer 2020 der WisdomTree Cloud Computing UCITS ETF USD Acc (WKN: A2PQVE) mit einem Plus von 91,41% im Jahr 2020. Los geht’s!

Der ETF in der Übersicht

 Der ETF nutzt als Benchmark den BVP Nasdaq Emerging Cloud Index und bietet damit Zugang zu Unternehmen, die in den Bereichen Cloud Software und Cloud Dienstleitungen aktiv sind. Der ETF wurde am 3. September 2019 aufgelegt und wird derzeit halbjährlich rebalanciert. Der Index selbst besteht schon seit August 2013 und wurde von Bessemer Venture Partners erstellt. Dieser performt seit seiner Auflage mit einem Plus von sagenhaften 1077,7%.

cloud computing etf geografische verteilung

Die geografische Verteilung ist es kaum wert, als Verteilung bezeichnet zu werden. Mit 94,8% ist der ETF deutlich zu Gunsten der USA gewichtet, nur einzelne Positionen stammen noch aus Australien, Kanada und Israel. Demnach ist auch die primäre Währung des ETF USD und damit einem potenziellen Währungsschwankungsrisiko ausgesetzt.

Die Sektoren sind ebenso klein gefasst, 98,35% entsprechen dem Bereich Information Technology und nur 1,63% stammen aus dem Bereich Health Care.

Die Dominanz der USA in diesem Index ist allgegenwärtig und gleicht eher einer Wette auf den Cloud Sektor im US-Bereich. Bezüglich der Anzahl der Positionen ist der ETF mit aktuell 54 recht gut aufgestellt.

Was den ETF in Bezug auf seine Verteilung aber besonders interessant macht ist folgendes: Ungeachtet der Marktkapitalisierung werden die einzelnen Unternehmen ausgewogen zueinander gewichtet.

cloud computing etf marktkapitalisierung

Somit haben nicht nur die mid und large caps sondern auch die small cap Unternehmen erheblichen Anteil an der Performance des ETF. Für mich ist das definitiv ein Pluspunkt und gibt auch kleinen Unternehmen welche oft noch Wachstumschancen in sich bergen die Chance, an dem Index zu partizipieren.

cloud computing etf bewertung teil 1

Was die geografische Verteilung angeht sowie den Währungseinfluss muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er in den Markt der USA so stark investieren möchte. Hast du bereits ein USA-lastiges Portfolio, solltest du dir dein Investment nochmal überlegen, ob du es als lohnend ansiehst.

Generell lässt sich sagen, dass der Index definitiv hält was er verspricht, aber einen sehr speziellen Bereich abbildet mit wenig Diversifikation. Man sollte sich also gut in dem Bereich Cloud Computing auskennen, um Chancen und Risiken des Sektors richtig einschätzen zu können.

Was die Anzahl der Positionen angeht ist der Index mit 54 gut aufgestellt und bietet die breiteste Diversifikation der 3 in dieser Serie vorgestellten Indizes. Interessant finde ich, dass bei der Gewichtung die Marktkapitalisierung kein ausschlaggebendes Kriterium ist und hier Chancengleichheit in der Performance gegeben ist.

Die Kennzahlenanalyse

Mit einer Kostenquote von 0,4% p.a. ist der Index der günstigste von den hier vorgestellten. Wie schon im vorherigen Artikel angesprochen sind Branchen-ETFs in der Regel eh etwas teurer, daher ist die Kostenquote für mich absolut vertretbar.

Das Fondsvolumen beträgt derzeit 468 Millionen € und ist daher eher im Mittelfeld. Es liegt definitiv über den gewünschten 100 Millionen € um damit als rentabel zu gelten, ist jedoch noch eher in den Anfängen, was sicher auch mit dem Auflagedatum zusammenhängt.

Der Index wird mit seinen 54 Positionen physisch vollständig repliziert, was bei der Größe auch gut machbar ist.

Der ETF selbst existiert erst seit September 2019 und blickt von daher noch nicht auf eine lange Historie zurück, der Benchmark Index selbst besteht schon seit 2013 und bietet daher etwas längere Datensätze was die Performance seit Auflage angeht.

Der Index ist thesaurierend und reinvestiert also seine Gewinne zurück in den Index, Geschäftsjahresende ist dabei der 31. Dezember.

Zum Tracking error konnte ich bisher leider noch keine Daten finden.

Die Tracking difference lässt sich bisher nur für das 2020 berechnen, da noch keine großen Datenmengen zur Verfügung stehen. Hier lag die Abweichung bei -0,18% und liegt damit deutlich unter der TER von 0,4% p.a., was ich auf jeden Fall als positiv bewerten würde. Trotzdem muss man hier nochmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass keine Daten der letzten 3 Jahre, sondern nur seit 2019 vorliegen!

Derzeit ist der ETF bei der comdirect zwar handelbar, jedoch nicht sparplanfähig, kann also nur über eine Einmalinvestition erworben werden.

Ich würde den ETF insgesamt in der Kennzahlenanalyse als recht gut bewerten. Man muss sich dem jüngeren Auflagedatum und dem damit einhergehenden Risiko, dass man auf keine langen Datensätze zurück greifen kann bewusst sein. Trotz all dem macht der ETF bezogen auf die TER beziehungsweise die tracking difference einen sehr soliden Eindruck. Dass der ETF derzeit nicht sparplanfähig ist, ist eher ein softes Kriterium und muss jeder für sich selbst beantworten.

Ein Ausblick auf die Branche

Wir leben im Zeitalter der Digitalisierung. Soweit nichts neues. Das Internet ist mittlerweile nicht mehr für uns alle Neuland, Entschuldigen Sie Frau Merkel.

cloud computing etf datenmengen

Die Entwicklung, die das Internet zeigt, ist jedoch rasant. Schaut man sich den oberen Chart mal an, lässt sich schnell erkennen, dass das Datenvolumen über die letzten Jahre exponentiell angestiegen ist, woran sich in Zukunft auch vermutlich wenig ändern wird.

Aber gehen wir mal näher darauf ein, was hinter Cloud computing steckt, dazu ein kleines Beispiel: Ein Unternehmer hat für seine Firma einen großen Auftrag ergattert, für den er eine aufwendige IT-Infrastruktur benötigt. Dafür müsste er viel Geld ausgeben, um sich nötige Server zu kaufen, welche er nach Abschluss des Projektes nicht mehr braucht. Im Rahmen des Cloud computing kann sich unser Unternehmer die benötigten Ressourcen, seien es Programme, Softwarepakete, Speicherplatz oder Rechenkapazität über das Internet oder ein lokales Netzwerk bereitstellen lassen, ohne dass er dafür firmeninterne Rechner oder Hardware benötigt. Diese Dienste können für die Dauer des Projektes gemietet werden, wobei die Rechenleistung der lokalen Rechner nicht genutzt wird. Außerdem ist dies deutlich kostengünstiger, und Kunden und Kollegen können über verschiedene Zugänge auf das Projekt zugreifen. Nach Beendigung des Projekts, wenn die Ressourcen nicht mehr benötigt werden, kann der Dienst wieder beendet werden. Der Vorteil ist also die erhöhte Flexibilität, die geringere Kostenstruktur, und die Möglichkeit, weitaus größere Datenmengen zu verarbeiten als es mit klassischen Servern möglich wäre.

Dieses Beispiel ist aber nur recht klein gefasst. Die einzelnen Unternehmen aus dem ETF sind in den verschiedensten Bereichen tätig: Dabei gibt es Anbieter die cloudbasierte Gehaltsabrechnungen anbieten, cloudbasierte Zahlungsabwicklungen, oder bei der Einhaltung von Steuervorschriften unterstützen – natürlich ebenfalls cloudbasiert. Damit bildet sich ein sehr breites Geschäftsfeld und viele Anwendungsbereiche, sowohl für Privatkunden, die ihre Fotos vom Smartphone in einer Cloud speichern um auch von verschiedenen Medien zugriff zu haben, als auch für Geschäftskunden in den unterschiedlichsten Gebieten.

Ein großer Aspekt ist dabei das Thema Sicherheit, was auch ein Risikofaktor in diesem Bereich darstellen könnte. Sollte der Fall eintreten, dass eine Cloud gehackt würde, so könnten sensible Unternehmensdaten oder auch Daten von Privatpersonen in die Hände Dritter gelangen und der ganzen Branche enorm schaden. Ich denke, dass sich Unternehmen beim Punkt Sicherheit künftig noch bewähren müssen, damit die allgemeine Akzeptanz steigt.

Fazit: Spannende Investitionschance in einen zukunftsträchtigen Markt, jedoch mit Risiko

Lohnt sich also eine Investition in den Cloud-Sektor? Ich denke, dass in diesem Markt sicherlich noch einiges an Zukunftspotenzial steckt, nicht zuletzt durch Corona wurde das Thema Digitalisierung nochmal deutlich befeuert und ist mehr in den Fokus gerutscht, wobei sich noch zeigen muss, wie nachhaltig dieser Trend sein wird.

Speziell auf den ETF bezogen gibt es meiner Meinung nach ein paar Punkte, die man für sich abwägen muss: Da wäre zum einen die hohe Exposition der USA. Ich denke nicht, dass die Unternehmen staatlich reguliert werden, aber man ist einerseits dem Währungsrisiko des US-Dollar ausgeliefert, andererseits stark an die Entwicklung der USA gekoppelt. Besitzt du bereits ein Portfolio, in dem die USA stark übergewichtet sind, solltest du über diesen Punkt nochmal nachdenken. Außerdem sollte man sich etwas mit der Branche auskennen, um das künftige Potenzial gut einschätzen zu können, da der ETF doch schon sehr spezifisch ist.

Des Weiteren sollte man sich bewusst sein, dass der ETF erst seit etwa 1,5 Jahren existiert. Zwar hat er in diesem Zeitraum eine super Performance hingelegt und auch die tracking difference scheint auf den ersten Blick vielversprechend, jedoch reichen die vorhandenen Daten noch nicht aus, um ein sicheres Bild zu zeigen. Ein Blick lohnt sich auf den Benchmark Index, der bereits seit 2013 existiert, hier lassen sich bereits bestimmte Entwicklungen einschätzen.

Besonders gut gefällt mir der Aspekt der Gewichtung der einzelnen Positionen. Dadurch, dass small caps ebenso gewichtet werden wie large caps, besteht hier eine gewisse Chancengleichheit, auch jungen Unternehmen mit Zukunftspotenzial eine faire Chance zu geben, sich zu beweisen, ebenso besteht aber auch natürlich das Risiko eines Misserfolgs.

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